Der ZDF-Infokanal war mal kurz in Helsinki

…und da in der Bibliothek 10 und in einem finnischen Haushalt. Ansehen!

Öffentliche Bibliotheken in und um Helsinki

Kulturzentrum Tapiola

Die hübsche öffentliche Bibliothek im Stadtteil Arabia habe ich in meinem Blogeintrag über die fünfte Woche meines Praktikums ja bereits erwähnt. Es gibt aber noch ein paar mehr erwähnenswerte öffentliche Bibliotheken in Helsinki und Umgebung:

Bereits in der ersten Woche meines Praktikums habe ich mit Kirsi die öffentliche Bibliothek im Kulturzentrum in Tapiola/Espoo besucht. Die Bibliothek befindet sich nicht nur in einem tollen Gebäude (siehe Foto oben), sie ist auch gut ausgestattet. Im Eingangsbereich fiel mein Blick sofort auf die beiden Rückgabeautomaten. Wie sie zu benutzen sind, erklären sie einem nicht nur auf Finnisch, sondern auch in der zweiten offiziellen Ladessprache Schwedisch und auf englisch. Die Rückgabe von Medien aus anderen öffentlichen Bibliotheken der Helsinki Metropolitan Area (HelMet) ist kostenlos möglich.
Daran, dass man etwas abzugeben hat, wird man zwei Tage vor Ablauf der Ausleihfrist per E-Mail erinnert. Sollte man doch mal etwas nicht rechtzeitig zurückgeben, können die Überziehungsgebühren nicht ins Unendliche steigen. Ab einer Höhe von 6 Euro pro überfälliger Ausleihe steigt der Betrag nicht weiter.
Bei der Ausstattung der Sitzecke im Kinderbereich war man auch nicht knauserig. Da steht eine Miniaturausgabe von
La Mama, die nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Design-Kennern sehr beliebt ist.
Auch ein sehr hübsches Detail: Die Bücher der verschiedenen literarischen Genres werden am Buchrücken mit kleinen Symbolen beklebt. Auf den Krimis klebt ein Dedektiv im Sherlock-Holmes-Look, auf den Fantasy-Büchern ein Einhorn, auf den Science-Fiction-Werken ein Alien und so weiter… Somit kann man die gleichen Aufkleber auch für die fremdsprachige Literatur verwenden.

Bei meinem privaten Abstecher in die main library der öffentlichen Bibliotheken war ich beeindruckt von deren vielfältigen Angebot an fremdsprachiger Literatur. Es werden laut Helmet-Website Medien in mehr als 60 verschiedenen Sprachen angeboten.
Und zwischen den aktuellen Zeitschriften stieß ich neben der finnischen Ausgabe von GEO auch auf die deutsche. Als ich mich weiter umsah, entdeckte ich auch den aktuellen Spiegel und das deutsche Foto Magazin.

In der sechsten Woche meines Praktikums habe ich mit zwei Kollegen und einer weiteren Praktikantin die größte und meistbesuchte öffentliche Bibliothek der Region besichtigt – die Sello Library. Sie befindet sich in einem Einkaufszentrum in Leppävaara, einem Stadtteil von Espoo.
Das besonders Bemerkenswerte an dieser Bibliothek ist, dass es in der Musikabteilung neben zwei mit Flügel, Pianino und Harmonium ausgestateten Proberäumen (eigene Instrumente dürfen selbstverständlich auch mitgebracht werden) auch ein kleines Aufnahmestudio gibt.
In der Jugendabteilung gibt es daneben noch einen kleinen mit Spielekonsolen ausgestateten Raum, in dem man ungehämmt SingStar spielen kann.

Für Freunde der modernen Bibliotheksarchitektur ist auch die Zweigstelle der Helsinki City Library ganz in der Nähe meiner Unterkunft im helsinkier Stadtteil Vallila sehenswert.
Wer es lieber klassisch mag, wird sich im Ambiente der wunderschönen Kallio Library sehr wohlfühlen.

Ordnung muss sein (Woche 6 von 8)

Detail des Pohjola-Hauses
Detail der Fassade des Pohjola-Hauses in der Aleksanterinkatu

In der vorvorletzten Woche meines Praktikums habe ich in der Hauptbibliothek in Otaniemi an zwei Projekten gessen.
Das erste: Nachdem die Bibliothek von einem Unternehmen kistenweise Bücher geschenkt bekam, habe ich im Bibliothekskatalog recherchiert ob die Bücher bereits vorhanden waren. Wenn ja, habe ich das selbe im Katalog der finnischen National Repository Library (siehe Woche 5 von 8) getan. Hatte die das Buch auch schon, kam es in den Vorrat für den nächsten Bücherverkauf. Bis auf einen kurzen Stromausfall, lief das Ganze reibungslos.
Und das zweite Projekt: Mit Notebook und Barcodelesegerät bewaffnet ging ich ins Magazin, um Textdateien (für jede Klassifikationsgruppe eine) mit den Medienummern der Bücher zu erstellen. Anhand dieser Listen wird später festgestellt werden, ob einzelne Bücher an der falschen Stelle stehen (auf den älteren Büchern kleben leider keine Signaturen), vermisste Bücher wieder an ihrer Stelle stehen (die Platzhalterpappen, wie sie in der ZLB in den Regalen der Magazine stecken, sind hier bisher umbekannt), oder ob Bücher, die bereits makuliert wurden, fälschlicherweise wieder in den Regalen gelandet sind. Was ebenfalls problemlos zu schaffen war. Nur ist auch hier einmal der Strom ausgefallen.
Da das Magazin im Kellergeschoss liegt, und somit keine Fenster hat, stand ich diesmal im Dunkeln. Naja, fast. Der Akku des Notebooks war zum Glück aufgeladen und der Bildschirm sorgte schon noch für ein wenig Licht. Da ich hoffte, dass der Strom schnell wieder zurückkehrt, wie zuvor oben im Büro, beschloss ich, erstmal weiter zu arbeiten. Das Barcodelesegerät lies sich auch einigermaßen als Taschenlampe zweckentfremden. Doch leider lies der Strom auf sich warten.
Da sowieso fast Feierabend war, machte ich mich – dem zur Tür rennenden Männchen auf der grünen Sicherheitsbeleuchtung folgend – auf den Weg den Keller zu verlassen. Als ich die Tür zum hellerleuchteten Treppenhaus öffnete, fragte ich mich ob der Fahrstuhl wohl auch so gut mit Strom versorgt wurde wie das Treppenhaus.
Tatsache. Dann konnte ich den Wagen, den ich dabei hatte, um das Notebook darauf abstellen zu können, zurück an seinen Platz im zweiten Stock bringen. Ordnung muss schließlich sein – auch im Dunkeln. Um den Wagen zum Fahrstuhl zu bekommen, musste ich jedoch vom grün beleuchteten Fluchtweg abweichen und zwischen den dunklen Regalen hindurch. Also schaltete ich das Notebook wieder an, um wenigstens etwas Licht zu haben. Es ist schon einwenig gruselig, so alleine durchs düstere Magazin zu laufen. Aber wenn irgendein Monster um die Ecke gekommen wäre, hätte ich es ja mit dem Barcodelesegerät blenden können.

Eine Bibliothek überm Porzelanladen (Woche 5 von 8)

Aalto University School of Art and Design

In den ersten drei Tagen der fünften Woche meines Auslandspraktikums war ich in der Hauptbibliothek der School of Science and Technology damit beschäftigt, zu selten entliehene Bücher zu makulieren bzw. deren Standort zu ändern.
Die Bücher, die so selten gebraucht wurden, dass der Platz im kellari (Übersetzung überflüssig) für sie zu schade wäre, bei denen man aber nicht ausschließen kann, dass sich eines Tages doch noch jemand für sie interessiert, werden an die National Repository Library geschickt. Diese Bibliothek erhält aus allen finnischen Bibliotheken, wissenschaftlichen wie öffentlichen, die dort zu selten entliehen Medien. Von jeder Ausgabe eines Werks und dessen abgeänderten Auflagen wird das am besten erhaltene Exemplar aufbewahrt. Die Bestände sind außer für Studenten und Forscher der finnischen Universitäten nur über eine Fernleihe zugänglich. Diese ist allerdings gebührenfrei.
Das verändern der Bestandsdaten für die Makulatur und den Standortwechsel in Voyager, der hier verwendeten Bibliothekssoftware, empfand ich als recht mühselig, da ich es gewohnt bin mit aDIS zu arbeiten. Massenfunktionen scheint man hier nicht zu kennen. Und nur um einen Datensatz durch das Einlesen des Barcodes öffnen zu können, jedes mal das dazu nötige kleine Fensterchen öffnen zu müssen… Na ja.

Die letzten beiden Tage der Woche verbrachte ich in der Bibliothek der School of Art and Design im helsinkier Stadtteil Arabia. Benannt wurde der Stadtteil nach der ehemaligen Keramikfabrik, in der sich heute, neben unter anderem dem Outlet Store von Iittala, dem Haushaltswarenhersteller, zu dem die Marke Arabia heute gehört, die Aalto University School of Art and Design befindet (bis Ende letzten Jahres hieß sie noch University of Art and Design Helsinki).
Die Bibliothek ist Teil der/des Aralis Library and Information Centre. Welche/s aus vier im selben Gebäude befindlichen Bibliothek besteht. Drei davon, die Aalto University Library, Arabia, die Helsinki Metropolia University of Applied Sciences Resource Library for Arts and Culture (Was‘n Name!) und die Helsinki Pop & Jazz Conservatory Library, befinden sich sogar in den selben Räumlichkeiten. Man erkennt als Außenstehender nicht einmal, welches Regal zu welcher Bibliothek gehört. Es gibt auch nur einen gemeinsamen Ausleihtresen und ein Infopult. So kann man durchaus umgangssprachlich, ich betone umgangssprachlich, bei diesen drei Bibliotheken von einer Bibliothek reden. Um in die vierte Bibliothek, eine Zweigstelle der öffentlichen Bibliotheken Helsinkis, zu gelangen, muss man auch nur durch eine Glastür und die Treppe runter, schon steht man in diesem hübschen überdachten Innehof.
Neben der Bibliothek verfügt die School of Art and Design auch über ein Archiv. Dort werden beispielsweise einige der Kunstwerke bzw. Designobjekte der Studenten archiviert. Darunter auch Arbeiten aus der Gründungszeit der Vorläuferinstitution der Universität, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Da damals für die Aufnahme der Studenten weniger deren Talent entscheidend war, als deren wohlsituierte Herkunft, und für die Studentinnen nicht eine Zukunft als gefragte Innenarchitektin oder gefeierte Künstlerin vorgesehen war, sondern ein Leben als sich aufopfernde Ehefrau und Mutter, wird der künstlerische Wert dieser frühen Arbeiten oft von den Werken einer anderen Sammlung des Archivs weit übertroffen, und zwar der Sammlung aus Werken aus dem Kunstunterricht an finnischen Schulen. Zugegeben, in Finnland lernen die Kinder im internationalen Vergleich schon recht früh wie man z.B. perspektivisch malt und zeichnet. Aber dass die finnischen Schulen super sind, ist ja nichts neues.
Wärend wir (Daria, die zweite Praktikantin, Studentin der finno-ungarischen Philologie, aus Polen, und ich) durch die Archivräume geführt wurden, entdeckten wir eine kleine Katastrophe. Wasser tropfte auf die Archivkartons. Aufgrund der derzeitigen für Finnland recht hohen Temperaturen, hatte sich Kondenswasser auf den kalten, unisolierten Wasserleitungen gebildet, die in einem der Räume über den Regalen verliefen. Man hatte natürlich bedacht, dass es gefährlich werden kann, wenn Wasserrohre über Archivregelen verlaufen. In den Kartons befanden sich deshalb nur Objekte aus Keramik.

Töölö! (Woche 4 von 8)

Aalto University Library, Töölö

Die vierte Woche meines Praktikums habe ich in der Bibliothek der School of Economics der Aalto Universität (ehemals Helsinki School of Economics) im helsinkier Stadtteil Töölö verbracht.
Sie ist die größte und meistgefragte auf Wirtschaft spezialisierte Bibliothek in Finnland. Neben den Stundenten und Wirtschaftforschern der School of Economics hat die Bibliothek noch zahlreiche weitere Nutzer. Durch Nutzungsgebühren, die Unternehmen für den Zugang zu von der Bibliothek erstellten Datenbanken zahlen, ist die Bibliothek in der Lage sich zu einem recht großen Teil selbst zu finanzieren.
Eine dieser Datenbanken heißt SCIMA. Darin werden Zeitschriftenaufsätze nachgewiesen und ein paar dieser Nachweise habe ich verfassen dürfen. Alles kein Problem, bis auf das Schreiben der Abstracts. Denn zum Schreiben eines Abstracts muss man diese wissentschaftlichen Aufsätze ja erstmal verstanden haben. Da ist es schön, wenn der Autor seinen Aufsatz selbst in einem Abstract zusammen gefasst hat. Noch schöner wäre es, wenn man diesen Abstract einfach abschreiben könnte. Aber nichts da! Da hat das Urheberrecht was gegen. Also muss man alles ein wenig umformulieren. Dazu muss man allerdings wieder verstehen worum es überhaupt geht. Das kann auch bei einem kurzen Abstract recht schwierig werden, wenn man da mit Wörtern konfrontiert wird, von deren Existenz man in den ganzen Jahren, in denen man Englisch gelernt hat, niemals erfahren hat: affirmative, encompass, conscientiousness… Ein Glück, dass es leo.org gibt.