Do you know Subito? (Woche 3 von 8)

Hauptbahnhof Helsinki
Hauptbahnhof von Helsinki

Die dritte Woche meines Auslandspraktikums verbrachte ich im interlibrary loan department der Bibliotheken der School of Science and Technology.
Da das Klientel der Bibliotheken technischer Universitäten Zeitschriftenaufsätze viel lieber mag als Bücher, ist es in dieser Woche kaum vorgekommen, dass ein Buch geordert oder verschickt wurde. Von den ganzen zuverschickenden Aufsätze musste ich zum Glück keine Kopien bzw. PDFs anfertigen. Das wird in einer anderen Abteilung gemacht.
Die Fernleihabteilung ist aber leider dafür zuständig, dass Bücher ihre Signaturen aufgeklebt bekommen. Wie ich bereits berichtet habe, sind die Signaturen hier ganz schön bunt (siehe „Woche 1 von 8″). Bücher mit buntem Klebeband zu versehen ist gar nicht so leicht wie es auf den ersten Blick scheint. Erstmal muss man herrausfinden welche Farben in welcher Reihenfolge auf den Buchrücken müssen. Da gibt es eine Liste, auf der stehen die einzelnen Klassifikationsgruppen und die dazugehörigen Farbkombinationen. Wäre also kein Problem, vorrausgesetzt man versteht finnisch. Leider kann man nicht einmal erahnen welche Farben die Finnen da meinen. Was auf französisch „bleu-gris-rouge“ oder auf italienisch „azzurro-grigio-rosso“ heißen würde, heißt auf finnisch „sininen-harmaa-punainen“. Ich musste mir also erst auf einer anderen Liste die Übersetzung aus dem Finnischen ins Englische ansehen, bevor ich wusste, was zu tun war:
sininen = blue
punainen = red
keltainen = yellow
vihreä = green
musta = black
valkoinen = white
harmaa = gray
ruskea = brown
Nachdem eine Kollegin auf die geniale Idee gekommen war, die finnischen Farbbezeichnungen in die Innenseiten der Klebebandrollen auf die Pappe zu schreiben, ging das dann doch unkomplizierter und schneller.
Beim beschaffen von Zeitschriftenaufsätzen, die in Finnland nicht zu bekommen sind, wird sich hier erstaunlich oft an deutsche Bibliotheken gewandt. Oft wurde direkt im Katalog der TIB/UB Hannover nach der gesuchten Zeitschrift recherchiert (weil die Kollegen dort den gewünschenten Aufsatz wirklich blitzschnell per E-Mail rüberschicken) oder man nutzt Subito. Da gab es für mich natürlich keine Sprachprobleme.

Am Freitag abend wurde dann nach getaner Arbeit im Garten einer auf dem Campus wohnenden Kollegin gegrillt. Ihr Ehemann, der zu Zeiten vor meiner Geburt bei der russischen Armee (die beiden sind Russen) in Potsdam stationiert war, hat sich sichtlich gefreut jemandem (mir) demonstrieren zu können wie viele deutsche Wörter er damals aufgeschnappt hat und auch noch weiß.
Unter den etwas älteren Finnen finden sich übrigens viele, die in der Schule Deutsch gelernt haben, und sogar ein paar, die sich mit mir fast fließend auf deutsch unterhalten können.

Papier ist sowas von 20. Jahrhundert! (Woche 2 von 8)

In meiner zweiten Woche im information service department drehte sich viel um den virtuellen Teil der Bibliotheken in Otaniemi. Man erklärte mir einiges über das Nelli-Portal des Campus Otaniemi (den Zugang zu den elektronischen Ressourcen) und die elektronische Archivierung und Veröffentlichung der wissenschaftlichen Arbeiten der School of Science and Technology. Man zeigte mir die bibliothekseigenen Datenbanken, wie beispielsweise die Bestandskataloge oder die Datenbank über Standorte, Öffnungszeiten und Bestandsprofile der 27 einzelnen Bibliotheken des Campus Otaniemi. Und ich versuchte nach zu vollziehen, wie das ganze technisch umgesetzt wird. Übrigens besteht der größere Teil der Bibliotheksbestände aus elektronischen Ressourcen, was eine Menge an Papier, Platz und Arbeitszeit spart.

Zum Glück leben wir im Jahr 2010. Selbst wenn doch mal was gedruckt werden muss, macht das nicht mehr soviel Arbeit wie damals 1947. Aber Arbeitsplätze gab es immerhin reichlich…

Woche 1 von 8

Seiteneingang der Hauptbibliothek otaniemi

So schnell kann’s gehen. Die erste Woche ist rum. Nach 5 Tagen in Finnland hält sich der Kulturschock noch in Grenzen. Man begrüßt sich hier schließlich mit „Moi!“, also fast wie in meiner norddeutschen Heimat.
Ich bin sehr dankbar, dass man sich in Finnland unter Kollegen mit dem Vornamen anredet, denn mir fällt es nicht leicht mir finnischen Namen (schon gar nicht die Nachnamen) einzuprägen, von Straßennamen ganz zu schweigen. Aber solange man sie nicht schreiben muss ist ja noch alles im Lot. (Häkkinen, Räikkönen, Kovalainen… Katajanokanranta, Nordenskiöldinkatu, Rautalammintie…)
Meine Praktikumsbetreuerinnen Irma Pasanen und Kirsi Heino arbeiten in Otaniemi in der Abteilung Informaatiopalveluosasto (information service department), die von Irma geleitet wird. Aber bald wird umstrukturiert, aufgrund der Fusion der drei Universitäten zur Aalto Universität…
Diese Woche habe ich erfahren, was die Aufgaben der information specialists und der anderen Mitarbeiter im information service department sind. Hier werden Recherchen für die Bibliotheksnutzer gemacht und auch Kurse für sie vorbereitet und durchgefürt (z.B. der Searching for Scientific Information course). Außerdem sitzen in dieser Abteilung Mitarbeiter, die Dinge wie das Noppa-Portal auf die Beine stellen.
Desweiteren habe ich im lending department geholfen. Ich habe zu selten entliehene Bücher aus den Regalen gefischt, andere Bücher mit RFID-Chips versehen und eingestellt, wobei für mich recht ungewohnt war, dass an den Buchrücken nicht die Zahl der Klassifikation zu sehen war, nach der die Bücher hier geordnet sind. Statt dessen sind dort verschiedene Farbkombinationen zu sehen, die es einfacher machen, Bücher zu entdecken, die im falschen Regal stehen bzw. verhindern, dass man sie versehentlich falsch einordnet. Das menschliche Gehirn verdreht Zahlen ja sehr gerne. Meins verdreht aber auch gerne mal Farbkombinationen, was mir aber sofort auffällt, sobald das eingestellt Buch dann im falschen Regal steht. Die Klassifikationsnummern stehen auf der Innenseite des Buchdeckels. Danach wird alphabetisch nach ersten drei Buchstaben des Autorennachnamens oder des Titel sortiert, allerding wird das finnische Alphabet gegen Ende einwenig tricky: A, B, C, […] V=W, (also: Vaa, Wal, Ver, Whi, Wil, Vog, …) X, Y, Z und dann weiter mit Ä, Ö und dem eigentlich schwedischen Å. Meine geliebten Individualsignaturen der ZLB habe ich ja schon im ÖB/WB-Praktikum in Tempelhof-Schöneberg vermisst.

Es geht los!

In diesem Blog werde ich über mein achtwöchiges Auslandspraktikum in den Bibliotheken der Aalto-Universität in Helsinki (und Espoo) berichten.
Die Aalto-Universität existiert erst seit dem 1. Januar diesen Jahres. Es handelt sich bei dieser Universität um einen Zusammenschluss von drei zuvor unabhängigen Hochschulen, die als Unterabteilungen an ihren bisherigen Standorten bestehen bleiben werden.
Meine Ansprechpartnerinnen/Betreuerinnen für mein Praktikum sind Irma Pasanen und Kirsi Heino von der vormals Technischen Universität Helsinki, dessen Campus sich in Otaniemi (Espoo) befindet. Zur Technischen Universität besteht schon seit mehreren Jahren Kontakt seitens meiner Berufschule dem OSZ Bürowirtschaft und Verwaltung in Berlin-Lichterfelde Süd. Ich bin bereits die vierte Auszubildende des OSZ, die die Universitätsbibliothek in Otaniemi besucht.
Entsprechend der großen Erfahrung, die man hier beim Organisieren von Auslandspraktikas hat, werde ich hier mit Sicherheit gut aufgehoben sein.
Ich wurde heute von Kirsi Heino und Irma Pasanen am Flughafen Helsinki-Vantaa abgeholt und zu meiner Unterkunft gefahren, die man mir freundlicherweise organisiert hatte. Kirsi hat mir an meinem ersten Tag in Helsinki geholfen Stadtpläne und mein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel zu besorgen, und sie hat mir auf dem Weg schon das ein oder andere von Helsinki gezeigt.
Und morgen geht es dann richtig los…